Donnerstag, 18. Juni 2009

Lisa Stålspets/Emanuel Bernstone

Ausstellungsansichten



oben/above: videostill aus/from Lisa Stålspets' Leaf Dance
unten/below: ausstellungsansicht mit Emanuel Bernstones Bildern/
exhibition view with Bernstone's paintings

Donnerstag, 14. Mai 2009

Eröffnungsrede Lisa Stalspets/Emanuel Bernstone

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde!
Ich begrüße Sie recht herzlich zur Ausstellung von Lisa Stalspets und Emaunel Bernstone. Wie Sie anhand der Einladung gelesen haben, steht die Ausstellung unter dem Titel „Contemporary Swedish Art“. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Bezeichnung um eine recht artifizielle Geschichte. Denn was Sie hier sehen, ist natürlich keine demonstrative Schau, die zwei herausragende Positionen schwedischer Kunstproduktionen präsentiert. Der Titel der Ausstellung spielt vielmehr mit Erwartungen, die durch die Namensgebung hervorgebracht werden. Denn was kann schon eine national kodierte Begriffsfindung bieten? Letztendlich werden wir nur auf die Unzulänglichkeiten in der Beziehung zwischen Erzählungen und Identitäten gestoßen, wie auch immer man es verklausuliert. Was Sie in dieser Ausstellung aber finden werden, ist genau das, was der Slogan verspricht: zwei zeitgenössische Positionen aus Schweden. Was auch immer Sie erwarten, was über diesen einfachen Fakt hinausgeht, ist ihren eigenen, mitgebrachten Bildern geschuldet.
Blicken wir zunächst auf die Bilder von Emanuel Bernstone, die zunächst als entpersonalisierte Räume erscheinen, kühl und steril. Der erste Blick täuscht jedoch. Auch wenn man vermuten könnte, dass hier auf verlassene Räume geblickt wird und eine Art Statement vermittelt wird, so würde man es sich doch zu einfach machen. Vielmehr handelt es sich um die Präsentation von Zwischenräumen, d.h. Offenen räumen, die Möglichkeiten in sich bergen, die es zu erforschen gilt. Es geht dabei nicht darum, eine Geschichte zu entwickeln, wozu diese leeren Schauplätze freilich einladen, sondern um das Betrachten und die Reflexion unserer eigenen Erwartungshaltung, die wir an Schauplätze herantragen. Und um das „offen halten“, was uns in diesen Räumen begegnen wird. Die Unbestimmtheit und die Wandelbarkeit unserer eigenen Biografien wird uns in den architektonischen Landschaften von Emanuel Bernstone bewusst, denn dadurch wird die Lesbarkeit seiner Räume vornehmlich bestimmt. Es handelt sich also um ein Spiel mit dem Rezipienten und um sein Erfindungsreichtum im beinahe pathologischen Zwang zur Narration. Denn der Mensch als narratives Wesen verlangt ebenso nach Biografien wie nach Schauplätzen, die als Wegmarken unserer eigenen Existenz agieren und die Möglichkeit der Spiegelung bieten. Die formale Strenge in Bernstones Bildern ist somit nur ein Mittel, um den Primat der Assoziation zu bedienen, dessen wir uns weder entledigen können noch wollen. Schließlich handelt es dabei um die Grundkonstanten unserer Existenz. Das, was uns selbst ausmacht ist ja nichts weiter als das Personalisieren von banalen Bildern, d.h. das Auffüllen von historischen Fragmenten mit emotionalisierten Erinnerungen, wie Farben, Gerüche, Geschmack und Gefühle.
Das dieser Prozess der Narration in unserem Kopf sich mit der Zeit verändert, als das sich Erinnerungen verändern und damit auch der Wert den wir Dingen beimessen, ist das Thema in Lisa Stalspets arbeiten. In ihren Arbeiten zeigen sich unbestimmte fragmentierte Geschichten, wie Einzelbilder und verschleierte Träume. Die Landschaften, die Lisa Stalspets entwickelt , sind keine architektonischen Flächen, sondern Erinnerungslandschaften, in denen sie erforscht, auf welche Weise wir Orte mit Bedeutungen füllen und mythologisch aufladen. Als Beispiel sei hier etwa der uns vorliegende Kubus genannt, ein Versuch, eine adäquate Darstellung des Ozeans auf kleinsten Raum zu komprimieren. Es gibt wohl wenige Dinge, die historisch und mythologisch so beladen sind, wie das Meer, ein nautisches Ungetüm, gleichzeitig ein Zeichen für Sehnsucht, Fernweh, Expeditionsdrang, aber auch ein gefährliches und unergründliches Terrain, das sich auch in der Kunstgeschichte in sogenannten Seestücken mannigfaltig wiederfindet. Lisa Stalspets hat eine charmante Form gefunden, diesem komplizierten Thema beizukommen, indem sie auf jeder Seite ihres Ozeans eine andere Darstellungsform wählt. Sie verweist so den Mythos in seine Schranken, bzw. reduziert ihn auf ein Wohnzimmerformat. In der hier gezeigten Videoarbeit „Dance with a stranger“ befasst sie sich mit Ritualisierungen, die durch den Kontext einen Sinn ergeben. Wenn uns dieses Ritual allerdings ohne Kontext begegnet, entwickelt sich ein absurdes Kunstvideo, wo ein Blättertanz aufgeführt wird, der zunächst ästhetische und szenische Qualitäten hervorbringt, dann aber einem seltsamen Ritual gleicht, dem wir nicht folgen können. Nicht einmal die bedauernswerte Zuschauerin im Theater scheint zu wissen, was sie sich da eigentlich genau ansieht und schaut etwas irritiert aus der Wäsche. Beide Positionen bieten also zwei Möglichkeiten sich mit Narrationen auseinander zu setzen, einmal auf einer visuellen Ebene, ein anderes mal auf der Ebene der Erinnerungsarbeit. Zwei künstlerische Positionen aus Schweden, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Ich bedanke mich bei den Künstlern, dass sie heute hier sind und wir ihre Arbeiten präsentieren dürfen und eröffne hiermit die Ausstellung von Lisa Stalspets und Emanuel Bernstone. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Donnerstag, 30. April 2009

EMANUEL BERNSTONE / LISA STALSPETS

Eroeffnung 10. Mai , 12:30 Uhr


Der Kunstverein Apex pro art e.V. zeigt vom 10. Mai bis zum 28. Juni 2009 die Ausstellung der zwei jungen schwedischen Künstler Lisa Stålspets und Emanuel Bernstone. Die Arbeiten Lisa Stålspets werden damit erstmalig in Deutschland ausgestellt.

Auch wenn beider Künstler Arbeitsweise sehr unterschiedlich erscheint, liegt der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Intention doch auf der Frage des Sehens und Erzählens. Vorzugsweise arbeitet die Künstlerin Lisa Stålspets, die 1978 in Stockholm geboren ist, mit Video- und Installationskunst. Um zu verdeutlichen, dass die subjektive Wahrnehmung der Umwelt unzureichend ist, nimmt die Künstlerin immer wieder neue Rollen ein und eröffnet dem Betrachter somit eine multiperspektivische Sicht. Dabei schreckt sie auch nicht davor zurück, in einem Krakenkostüm in der Ostsee zu baden, oder als Baum verkleidet in die nächste Eckkneipe zu gehen.

Die großformatigen Bilder von Emanuel Bernstone sind Befragungen architektonischer Räume und Flächen als Schauplätze von Narration. Die malerischen Arbeiten des in Karlskrona geborene Künstlers zeigen überwiegend nicht näher ausformulierte Räume, die den Betrachter dazu nötigen, der Fläche eine Geschichte zu verleihen. So sieht man ein Interieur, das stummer Zeuge bleibt und mit dem notorischen Assoziierungswillen der Rezipienten spielt.

Samstag, 25. April 2009

AM 3. MAI, ab 17:00 UHR:
FINISSAGE der Ausstellung COMPLETE CONTROL:

-Präsentation des Ausstellungsprojektes StadtMachtKunst, a7Ausstellungen e.V. Hildesheim
-Künstlergespräche mit Diego Castro, Tanja Ostojic und Francis Zeischegg.

Donnerstag, 16. April 2009

COMPLETE CONTROL bis 3.Mai
Bilder der Ausstellung:



von oben nach unten:
francis zeischegg / stephan dillemuth / simon senn

Donnerstag, 26. März 2009

ERÖFFNUNGSREDE von Christian Schindler

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde.

Die Idee zu Complete Control stand eigentlich schon länger im Raum und den Moment der Konkretisierung des Ausstellungskonzepts vermag ich nicht mehr auszumachen.

Auf jeden Fall hatten Diego Castro und ich schon länger ein gemeinsames Projekt geplant und ich freue mich sehr, dass es diesmal nicht bei Worten geblieben ist, sondern eine schöne Ausstellung entstanden ist, in der wir interessante Künstler und KünstlerInnen versammeln konnten, die sich auf die eine oder andere Art mit dem Thema der Überwachung auseinandersetzen.

Überwachung findet in verschiedensten Formen statt, die sich nicht auf ein einfaches Freund/Feind-Schema reduzieren lassen, es geht hier also nicht ausschließlich um eine Unterscheidung von Bürger und Staat, oder Demonstrant und Polizei.
Die Kontrollmechanismen sickern in den Alltag und werden zur eigenen Praxis, machen mürbe und weichen Grenzen auf, die früher als selbstverständlich galten. Wer sich an die Proteste erinnert, welche die Volkszählung von 1987 hervorrief, muss sich mitunter wundern, wie bereitwillig heute Ausweitungen von Kontrollinstrumenten akzeptiert werden. Dies ist selbstverständlich auch eine Frage des Zeitgeists - die 80er Jahre waren ein stark politisiertes Jahrzehnt (16 Jahre Helmut Kohl hatten vielleicht in Bezug auf das politische Bewusstsein auch etwas Gutes).
Die Befürchtungen der damaligen Bürgerinitiativen, dass der verstärkte Datenaustausch zwischen den Behörden des Staates und eine Nutzung von erhobenen Daten für wirtschaftliche Zwecke zum "Gläsernen Bürger" führen würden, wurden im weiten Maße bestätigt.

Heute werden Kundenprofile erhoben anhand der besuchten Webseiten, um auf den Kunden zugeschnittene Werbung zu platzieren. Das Versprechen der freien Existenz im Netz, in der Jeder mit Jedem über alle Themen kommunizieren kann entpuppt sich als beste Daten-Sammel-Maschine, die sich eine Behörde nicht besser hätte ausdenken können.

Auch die Entwicklung neuer Instrumente seitens des Gesetzgebers - freilich unter dem Label "Sicherheit der Bürger" verkauft - ermöglicht eine lückenlose Rekonstruktion eines individuellen Alltag, indem sogenannte Bewegungsprofile erstellt werden, in der Kundenkarten eine nicht unwesentliche Rolle spielen...

Diese und weitere Dinge haben uns dazu veranlasst verschiedene künstlerische Positionen zu präsentieren, die unterschiedliche Facetten dieses Themas beleuchten. Sei es in der Arbeit von Stephan Dillemuth, (der an der Münchner Akademie der Künste ein Professur innehat), die Sie im Eingang bestaunen können, wo wir ein Ensemble aus Überwachungskameras sehen, das mittels Bewegungsmelder aktiviert wird und in dem sich die Bewacher gegenseitig überwachen.

Oder die Arbeit von Francis Zeischegg, welche die Wahrnehmung von öffentlichen Räumen untersucht und mit ihren Interventionen die Grenzen zwischen Kunst, Architektur und sozialer Praxis auslotet. Weiter sehen Sie von Dillemuth eine Papierarbeit, die sie auf dem Boden ausgelegt finden. Die Spuren, die Sie auf dem Papier hinterlassen, geben über ihr Besucherverhalten Aufschluss. Ein Prinzip, das auch in der Städteplanung als "Desire Lines" Anwendung findet.

Eine weiter gefasste Blickweise finden wir in den Arbeiten von Tanja Ostojic, die sich hauptsächlich mit Fragen der Migration befasst und selber lange den beschränkten Bewegungsmöglichkeiten ausgesetzt war, da sie früher nur einen serbischen Pass besaß. Die hier erfahrenen Probleme hat sie dabei zum Mittelpunkt ihres Schaffens gemacht, wie in der hier gezeigten Arbeit, die einen illegalen Grenzübertritt thematisiert.

Die Video-Arbeit von Ulf Aminde "WEITER" wiederum zeigt eher das Einsickern von Kontrolle und Normierung in alle Lebensformen, wenn wir amüsiert betrachten, wie ein paar Punks "Reise nach Jerusalem" spielen sollen und dies natürlich bereitwillig sabotieren durch das Nicht-Einhalten von Regeln. Letztendlich wird die widerständige Pose an dieser Stelle zur Farce, weil die Protagonisten sich ja genauso verhalten, wie man es von Ihnen als Punks erwartet.

Die Klanginstallation "POLIZEI" von Diego Castro, die sie in der Galerie hören ist eine Untersuchung des juristischen Spielraums, die ein in der Bundesrepublik zensiertes Lied fragmentiert hörbar macht, um dadurch die Zensur zu umgehen. Es handelt sich dabei um das Stück "Polizei, SA, SS" der Hamburger Punkband SLIME.
Durch die zufällige Reihenfolge der abgespielten Tonspuren, wird aber auch gleichzeitig die Eventualität eines unbeabsichtigten Gesetzesbruchs mit einkalkuliert. So wird der Galerieraum als Zone staatlicher und juristischer Kontrolle befragt.

Bleibt noch die Arbeit von Simon Senn - eine Videoprojektion, die sie übrigens ausprobieren können. Mit einer Fernbedienung können Sie zwischen verschiedenen Kameras wechseln, mittels welcher sich die nackten und vermummten Personen durch die Flure eines verlassenen Hauses jagen. Eine wirklich sehr schöne Arbeit, die changiert zwischen belustigendem Spiel, Verfolgungswahn und Jagdfieber. Und außerdem eine seiner ersten Ausstellungen überhaupt, worüber ich mich auch sehr freue.

Zu guter letzt möchte ich mich bei den Künstlern bedanken, von denen leider nicht alle anwesend sein konnten. Das ist aber ein Grund mehr die anwesenden Künstler hervorzuheben: Diego Castro und Simon Senn, die auch bei der technischen Umsetzung mitgewirkt haben und ohne deren Hilfe dieses Projekt so nicht zustande gekommen wäre.


Ein besonderer Dank auch an die Karin Abt-Straubinger-Stiftung und der Göttinger Kulturstiftung, die durch die großzügige finanzielle Hilfe diese Ausstellung ermöglicht haben.



Mittwoch, 11. März 2009

COMPLETE CONTROL




Complete Control (22.3. - 3.5.)

Überwachung und freiwillige Selbstkontrolle

(Eröffnung: 22.3. / 12h, Finissage am 3.5.)

Im Zeichen der vielbeschworenen Informationsgesellschaft ist die Konfrontation mit neuen Wegen der Information und deren Auswirkung auf private und öffentliche Räume eines der wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen, denen die moderne Demokratie ausgesetzt ist. Zwei zentrale und miteinander konkurrierende Konzepte sind sicherlich die Begriffe ‚Freiheit’ und ‚Sicherheit’, deren herkömmlichen Definitionen zur Zeit durch die Ausformulierung einer neuen sicherheitspolitischen Agenda zur Disposition stehen. Verhandelt werden hier ebenso digitale und öffentliche Räume und deren Ausgestaltung; eine Debatte, die nicht weniger als einen Kampf um Deutungshoheit darstellt.

Die Vielgliedrigkeit der Diskurse reicht von der zunehmend flächendeckenden Kameraüberwachung urbaner Konsumräume, digitaler Einflussnahme mittels Bundestrojanern über städtebauliche Interventionen zur Regulierung öffentlicher Sicherheitszonen bis hin zur Frage nach der richtigen strafrechtlichen Verfolgung von Sprayern, die sich außerhalb einer bananenfarbenen hochkulturellen Wärme bewegen.

Ein interessantes Phänomen hierbei, neben der Dialektik von erhöhter Sicherheit und erhöhter Angst, ist die zunehmende freiwillige Selbstkontrolle, abzulesen an der bereitwilligen Öffnung des letzten privaten Raumes, nämlich der eigenen Identität...

Mit freundlicher Unterstützung der Karin Abt-Straubinger-Stiftung und der Göttinger Kulturstiftung.

Mit Stephan Dillemuth , Diego Castro, Tanja Ostojic, Francis Zeischegg, Ulf Aminde, Simon Senn

Kuratiert von Christian Schindler und Diego Castro.

Begleitprogramm:

Im Rahmen der Filmreihe 'ueberMacht' von dieGesellschafter.de im Kino Lumière:

STRANGE CULTURE / FREMDE KULTUREN (USA 2007), 24.4. / 20h

Finissage mit Abschlusspräsentation des Ausstellungsprojekts STADTMACHTKUNST von a7.austellungen e.V., Hildesheim, und Künstlergespräche u.a. mit Tanja Ostojic