Hier einige Impressionen.


Dieses erinnert mit seinen zierlichen Verzweigungen an einen Korallenast, und man könnte meinen, dieser wachse weiter, sobald man ihm den Rücken zudreht. Statisch und skulptural hingegen wirkt neben diesen ein Materialmix aus Stein, Holz, Acryl und drei fotografischen Linsen, der von einem fantasievoll geformten, transparenten Plexiglas-Mantel sanft umhüllt wird. An Schwämme, Moosflechten, Kristalle und mikroskopische Gebilde erinnern die Arbeiten des aus der Ukraine stammenden Künstlers Aljoscha. In der Schau „Objekt als Wesen“ zeigt das Apex einen Querschnitt seiner neuen Objekte, Zeichnungen und Fotografien.
Aktionen im öffentlichen Raum und Skulpturen, die wie Street Art inszeniert werden, haben Aljoscha in der Kunstwelt bekannt gemacht: So verkaufte sich ein monströs wachsend wirkendes Gebilde, das im Wühltisch eines Lebensmitteldiscounters platziert wurde, binnen 13 Minuten. Oder ein aus einem Kaugummiautomaten wucherndes Geflecht irritierte vorbeigehende Passanten. Mit seiner als „Bioism“ oder „Biofuturism“ bezeichneten Kunst lotet er die Ambivalenz zwischen kontrolliertem Wachstum und zufällig ablaufenden Prozessen aus. Werkstoff dieser organisch anmutenden Gebilde, ist Acrylfarbe, die in vielen Schichten fein aufgetragen und je nach Größe des Objekts durch ein Drahtskelett unterstützt wird. Die entstehenden Formen sind mal feingliedrig und kleinteilig, mal monströs und amöbenhaft. „Wichtig für ihre Wirkung sind auch die kraftvollen und leuchtenden Farben“, wie Aljoscha erläuterte. Wesentliche Inspirationsquelle ist für den Künstler die Faszination an in der Natur vorkommenden, komplexen Miniaturstrukturen, die nur durch die Linse eines Mikroskops sichtbar werden.
Auftakt der Göttinger Ausstellung war eine Street-Art-Aktion: „Object 11“, ein rotes, fleischig wirkendes Gebilde aus einem Acryl-Öl-Gemisch, zierte den Kopf der Lichtenberg-Figur am Markt und machte neugierig auf die ungewöhnliche Schau. Diese zeigt sowohl große Skulpturen, wie das staksige „White object with 2 green forms“, das an ein mit hellgrünen Algenblättern geschmücktes Gerüst denken lässt, oder das in einem kräftigen Mittelblau gehaltene „Object 103“, das Assoziationen an das Rückenskelett eines Dinosauriers hervorruft. Faszinierend anzusehen sind auch die Zeichnungen, die den filigranen Charakter der Skulpturen durch zarte Bleistiftstriche noch verstärken, oder die in Öl angefertigten „p-landscapes“, die surreal anmutende Landschaften aus zarten Pinseltupfen entstehen lassen. Witzig und unvermittelt hingegen wirken die „g-signs“ genannten Materialcollagen, die ganz unterschiedliche Stoffe zusammenführen: Im Apex zu sehen ist etwa „g-sign #2“, ein kristallines Mikrogerüst aus Acryl, das mit einem Büschel Haare kombiniert wurde. So faszinierend die feinen Gebilde und Strukturen anzusehen sind, so ist beim Betrachten von Aljoschas Objekten jedoch eine gewisse Formenredundanz sichtbar, die auch durch ungewöhnliche Materialkombinationen oder verschiedene Arbeitstechniken nicht überwunden werden kann. Ein Gang durch die Ausstellung macht dennoch Spaß, denn man scheint mitten in einen lebendigen Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Natur zu geraten.
Bis Sonnabend, 23. Juli, mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen. Führungen: Mittwoch, 22. Juni, um 17 Uhr und Sonnabend, 16. Juli, um 14 Uhr.


Durch das Aneinanderfügen von Acrylfarbe und deren Gestaltung mit Pinseln und anderen Werkzeugen, scheinen die Strukturen eher durch Zufall zu entstehen als geplant in bestimmten Formen gestaltet zu werden. Die Farbe wird regelrecht skulptural eingesetzt und zu einer dreidimensionalen Struktur aufgebaut, die nur noch entfernt etwas mit Malerei zu tun hat. [...]
Das Künstler sich von der Natur inspirieren lassen ist nicht erst seit gestern so. Das allerdings eine Ebene dazukommt, die wir mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen können ist relativ neu und zeigt deutlich wie sich die aktuellen Entdeckungen der Naturwissenschaften auf die Kunst auswirken und gleichermaßen unsere Betrachtungsweise beeinflussen. [...]
Die Objekte, die Aljoscha erschafft erscheinen in ihren unterschiedlichen Ausprägungen geradezu wesenhaft. [...] Bei Aktionen im öffentlichen Raum fahren sie S-Bahn , krabbeln aus Kaugummiautomaten oder werfen Briefe ein: egal wo sie auftauchen, sie erscheinen wie Wesen von einem anderen Stern und irritieren den Betrachter zunehmend. [...]
Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass Aljoscha mit seinen Objekten und Bildern ein undurchschaubares Spiel der Täuschung betreibt. Den weder sind seine Objekte Abbildungen von tatsächlich existierenden Strukturen, noch Entwürfe für neue Lebensformen. [...]
Eine Parallele in den Strukturen gibt es allerdings doch zur realen Welt, in ihrer Komplexität steht Aljoschas Bildsprache der Natur in ihren vielfältigen Formen in nichts nach, und spiegelt somit deren Kleinteiligkeit in der Größe des Ausstellungsraum gekonnt wieder.
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Die Objekte, die in der Ausstellung gezeigt werden, entstehen aus Acrylfarbe. Sie changieren zwischen zarten netzartigen Strukturen und teilweise gigantischen Formen.
Die filigrane und verwobene Anmutung ruft die Erinnerung an biologische Strukturen hervor, die in der Wissenschaft erst unter dem Mikroskop sichtbar werden.
Im Gegensatz zu der Zartheit und Zerbrechlichkeit der kleinen Objekte, greifen die Großen direkt in den Ausstellungsraum ein. Sie verändern den Raum, geben den Weg durch die Ausstellung vor und schränken den Besucher in seiner Bewegungsfreiheit ein. Sowohl die Konfrontation mit der Kunst als auch mit der eigenen Körperlichkeit wird hier bewusst gemacht.
Das Verhältnis von Körper und Raum, sowie Körper und Form wird sowohl an kleinen wie auch großen Skulpturen deutlich.
Die Zeichnungen und Gemälde stellen ebenfalls eine ästhetische Annäherung an Formen und Strukturen dar. Sie stellen zum einen eine geradezu dokumentarische Aufzeichnung des Künstlers von seiner eigenen Arbeit dar, sie entwickeln zum anderen aber auch eine fast surrealistisch anmutende Formensprache.
Die Ausstellung wird unterstützt durch das Land Niedersachsen.
Auch in Malgosia Jankowskas Bildern von einer idyllisch-arkadischen Natur, „Arkadia“, die derzeit im Apex zu sehen sind, scheinen Abgründe zu lauern. In großformatigen Waldlandschaften sind kleine Kinder zu sehen, flankiert von Wölfen, übergroßen Schlangen, Hirschgeweihen, Fliegenpilzen. Ganz allein im großen, weiten Wald sind sie mit sich beschäftigt, schauen zu Boden oder vom Betrachter weg, allein die Tiere sehen ihn an. Sie sagen nicht, dass das Chaos regiert, aber auch sie scheinen bei aller Stille und der Traumlandschaftlichkeit der oft im Schnee situierten Arrangements zu sagen, dass diese Idylle von Bergen, hohen Tannen, Buchen oder Waldseen nicht trägt, nicht tragen kann.
Jankowska arbeitet mit Filzstiften und Aquarellfarbe, aber nicht in Aquarelltechnik auf Papier. Strich um Strich zieht sie mit dem Pinsel, formt die Rinden der Bäume, deutlich und dunkel im Vordergrund, immer heller und weicher in Richtung Hintergrund. Die Möglichkeiten der Flüchtigkeit des Aquarells werden nicht wahrgenommen, stattdessen mit der Stetigkeit des Fleißes einer ausführlichen Zeichnung kontrastiert. Das Haar der Jungen, auch Bergkämme oder Kleidungsstücke, hat sie mit feinem Filzstiftstrich gezogen, in ihrem zeichnerisch-realistischen Gestus widersprechen sie dem Aquarell nur deshalb nicht, weil es in gleicher Weise linear verwendet wird. Der Einsatz von sehr wenigen Farbtönen, mal ist eine Zeichnung ganz schwarz auf weißem Papiergrund, mal rot, mal ein wenig wechselnder, unterstützt den zeichnerischen Charakter.
Verwirrend wirkt neben dieser Genauigkeit ein gewisser Nebel, der überall wartet, der die Farben verblassen lässt oder aufhellt, die Lichtverhältnisse, aber auch die Beziehung von Figur und Grund auf den Bildern ins Unstimmige oder Absurde kippen lässt. Abgründe allerdings lauern hier wohl doch nicht, eher ein Verweis auf Märchen und Mythen, Collagen von Vorlagen.
Bis 1. Juni, Mittwochs bis Freitags von 15 bis 19 Uhr, Sonnabends von 11 bis 16 Uhr im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen.
von Sabrina Hoff
„In das sanfteste Rot und Gold war alles verschmolzen, die Bäume standen mit ihren Wipfeln in der Abendröte,[..] die Wälder und die Blätter der Bäume standen still, der reine Himmel sah aus wie ein aufgeschlossenes Paradies, und das Rieseln der Quellen und von Zeit zu Zeit das Flüstern der Bäume tönte durch die heitre Stille wie in wehmütiger Freude. “ (aus: Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert, 1797)
Ein ähnlicher Eindruck ist es der die Bilder von Malgosia Jankowska zu durchströmen scheint. Das romantische Naturerlebnis wird in ihren Bildern wiederbelebt. Ruhe und Erhabenheit durchströmt die Zeichnungen aus Aquarell und japanischen Filzstift auf Papier. In die kulissenhafte Umgebung bettet sie einzelne Elemente ein, die sich dezent vor dem Hintergrund abheben, Figuren und Tiere erscheinen auf Lichtungen und gehen in sich selbst vertieft unerklärlichen Handlungen nach.
„Arkadia“ der Titel der Ausstellung verweist auf die Vorstellung von dem Hirtenland Arkadien, das u.a. in der frühen Neuzeit zum erstrebenswerten Ort stilisiert wurde. Arkadien ist dort die Schäferidylle, ist die Illusion eines einfachen Lebens im Zusammenspiel mit der Natur. Die Zeichnungen Malgosia Jankowskas nehmen diese Stimmung auf und stellen eine Verbindung von arkadischer Illusion und romantischer Naturverklärung dar.
Zunächst geblendet durch Schönheit und Harmonie der Zeichnungen verheddert sich der Betrachter auf den zweiten Blick im Inhalt der Bilder. Die Frage nach der Funktion der Figuren im Mittelpunkt drängt sich auf. Die augenscheinliche Idylle nimmt der Betrachter mehr und mehr als Bedrohung wahr.
Die anfangs beschriebene Schönheit verkippt somit und nimmt etwas düsteres an. Die arakadische Anmutung, verspielte Kindheit und ungezähmte Wildniss, werden hier in einer so großen Harmonie kombiniert , dass es eben doch zu schön ist um wahr zu sein und sich vielmehr als unheimliche Fremdheit und Illusion entpuppt.
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