Mittwoch, 10. März 2010

NATALY HOCKE - ALL IN PIECES (1791-1971)



Vom 18.03. bis zum 06.05.2010 zeigt der Kunstverein APEX pro art e.V. Arbeiten von Nataly Hocke.

Die Finissage findet am 05.05. ab 19 Uhr statt. Es wird eine Führung durch die Ausstellung mit der Künstlerin geben.

„Was hat das Apex und der Camembert gemeinsam? Im Prinzip die Symmetrie der Jahreszahlen ihrer Erfindung. Das Apex existiert seit 1971, der Camembert seit 1791.“
Nataly Hocke umschreibt ihr bildhauerisches Werk als „Gedankenoperation anhand fester Materie“. Für die Ausstellung im Göttinger Apex entwickelt sie eine ortsspezifische Installation, die aus Objekten, Texten und Fotografien besteht. Sie bildet eine Kette aus Assoziationen und Analogien, die eng mit ihrer eigenen Biografie in Verbindung steht.

In der Ausstellung „All in Pieces“ schafft die Künstlerin aus kleinen Bruchstücken und Materialfunden handhabbare Objekte und ein neues musealisiertes Ganzes bilden: „Installation ist auseinandergenommene Bildhauerei“.
Der Kern der Ausstellung bildet ein modifizierter Werk- bzw. Schreibtisch, weniger als Gebrauchsgegenstand, sondern als „ analoger Platzhalter in einer Welt voller Zeitfenster“. Ein abstraktes Relikt, Werkzeug und Statussymbol der abwesenden Künstlerin.

Nataly Hocke (*1971, Kassel) studierte Bildhauerei an der Hochschule der Künste, Berlin und war Meisterschülerin von Rebecca Horn.
Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf Installation, Objekt, Skulptur, Fotografie, Text.
Nataly Hocke lebt und arbeitet in Berlin.


Bilder der Ausstellung:






1971 apex-camembert 1791 (2010)
Wachs, Samt, Glas (21x23x23cm)


Urschnecke (1998-2010)
Pappe, Holz, Farbe, Fotografie (48,5x37,5cm)


v.l.n.r.
Mysterious Fork (2008)
Holz, Farbe, Plastikgabel (25,5x19,5x6cm)
Lüftung (2008)
Palettenholz (41x28x9cm)
Venus Kassel - New York (2007)
Zigarrenkiste, Paletten, Glas, Fotografie (22x11x5cm)


Gerahmtes Glas (2009)
Glas, Holz, Farbe (25x23cm)


apex-apex (2010)
Holzpalette (255x33x29cm)


Transfer (2010)
Koffer, Farbe, Transportband (155x87x64cm)


Assistent (2010)
Holz, Rad, Kisten, Wachs, Pigment, Garn (93x90x20cm)



Bilder der Vernissage:

















Dienstag, 19. Januar 2010

INGO GERKEN - WHEN ATTITUDE BECOMES NORM



30.01. - 14.03.2010



Die Frage nach der eigenen künstlerischen Identität in einem überhitzten Kunstbetrieb ist eines der zentralen Themen in der Arbeit des Berliner Künstlers Ingo Gerken. Diese versucht er zu erkunden, indem er sich durch die moderne und postmoderne Kunstgeschichte gräbt und Möglichkeiten sucht sich im Unterholz der Zitate zu behaupten.

Dabei spielt er auch auf ironische Art und Weise mit den großen Namen seiner Zunft und führt das Objét Trouvé zum Readymade und umgekehrt. Durch seine kritische Betrachtung des Systems Kunst zwingt er auch den Betrachter seine Urteile und Vorurteile zu überdenken

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der vom Senat der Stadt Berlin gefördert wird. Mitherausgeber ist der APEX pro Art e.V..



Der Katalog ist zum Vorzugspreis von 12 Euro im APEX erhältlich.
Anfragen unter projekt@apex-goe.de .

Ansichten der Ausstellung:



Fünf Häuser (2004)
Edding u. Postkarte auf Papier (43x61cm)


oben: Cy III (2008)
Buntstift auf Papier (30x22cm)
unten: The 5th Kelly (2003)
Papiercollage (54x63cm)


Ernst (2009)
Papier (30x22cm)

Schaufenster: Aus der Serie Burning Kontext (2009)
Filzstift u. Buntstift auf Papier


Schaukasten:
aus der Serie Cityworks (2009):
v.l.n.r.: Museum (Libeskind) (2008), Hall (Mies v.d. Rohe) (2009), Philharmonie (Scharoun) (2010)

C-Print auf Aluminium (54x42cm und 54x42cm)



Found Form & Lost Form (Schwarzer Block)
Eisenträger, abgeschraubtes Regalbrett (265x330x80cm)
Bodenfliese, Klebefolie (180x51cm)








Drei Häuser (Version Göttingen)(2010)
verschiedene Klebebänder auf Wand (1000x400cm)















Bernstein/Drewelow: Neues aus der grafischen Heilanstalt
06.02. - 10.04.2010




Der APEX pro art e.V. präsentiert neben dem Kunstvereinsprogramm die Reihe APEX WERKSTATT. Wir wollen unseren Besuchern auch hier ein hochwertiges Programm bieten, dass sich auf vornehmlich auf Zeichnungen, Illustrationen, Grafiken und Karikaturen konzerntriert.
Den Anfang machen F.W.Bernstein und Heike Drewelow mit Bildern aus der grafischen Heilanstalt.

Die beiden Künstler schicken sich per Post des öfteren Zeichnungen zu. Und sie würdigen diese Blätter dergestalt: die Sendungen werden verändert, geschmückt, gestört und vollendet. Es werden aber auch Einzelarbeiten der Zeichner gezeigt.

Mittwoch, 4. November 2009

Katalin Moldvay - Nebenwirkungen

15.11. - 08.01.2010





Vom 15.November bis zum Januar 2010 präsentiert der APEX pro art e.V. eine Ausstellung der transylvanischen Künstlerin Katalyn Moldvay. Es werden Objekte, Installationen und Zeichnungen gezeigt.
Moldvay studierte von 1976 bis 1980 an der Kunstakademie in Klausenburg/Siebenbürgen und arbeitete anschließend als Bühnenbildnerin am staatlichen ungarischen Theater. 1984 siedelte sie nach Baden-Baden über. Es folgten Lebens- und Arbeitsaufenthalte in Wildnisgegenden der USA, Lappland, Island und Österreich.

Katalin Moldvay fungiert als eine Art Zwischenhändlerin. Sie sammelt auf Flohmärkten, Müllkippen und auf langen Wanderungen durch die Natur Dinge und Objekte, die sie zunächst in ihrem Atelier anhäuft. Durch einen komplexen Prozess der Metamorphose weist Moldvay ihnen anschließend eine neue Bedeutung zu, die ursprüngliche Geschichte der Objekte geht dabei verloren und wird durch eine neue ersetzt.
Am Anfang dieses Prozesses wird zunächst der Zustand der gesammelten Dinge hinterfragt. Im Wechselspiel von Fragen an sich selbst und an die Fundstücke entsteht der Raum in dem sich das Kunstwerk formieren kann. Durch die künstlerische Bearbeitung der Objekte, wie färben, schneiden, vernähen, ineinander verschachteln und aneinander heften, entstehen Arbeiten, die eingesponnen sind in eine Dialektik aus Ernst und Humor, Schwarz und Weiß, Ästhetik und Philosophie.

Im APEX wird die Künstlerin eine Intervention in den gesamten Räumlichkeiten des APEX arrangieren.

-> Homepage Katalin Moldvay

Donnerstag, 10. September 2009

Vidya Gastaldon - LSD






Vom 26. September bis zum 08. November 2009 zeigt der APEX pro art e.V. eine Ausstellung mit der französischen Künstlerin Vidya Gastaldon.

PROGRAMM:

26.Sep * 15 Uhr : Vernissage

01.Okt * 21 Uhr : Psychedelic Cinema
Eine Filmprojektion von Ken Brown, die ursprünglich im Kontext von Live-Konzerten von 1967 bis 1969 gezeigt wurden. Im APEX zeigen wir eine Projektion begleitet von einem DJ Set, das psychedelische Sounds aus den 60ern und 70ern präsentiert und sich auf abseitige, rare und unbekannte Interpreten stützt. An den Plattenspielern stehen René Gleitsmann, der in Berlin unter dem Namen "Hey Hey Galaxy" als Musiker tätig ist, und Christian Schindler, Kurator der Ausstellung.

08.Okt * 20.30 Uhr : The Trip , USA 1967,
Ein Versuch des amerikanischen Regisseurs Roger Corman, einen LSD-Trip filmisch umzusetzen. Das Ergebnis zeigt uns, wie Peter Fonda gebannt auf eine Waschmaschine glotzt und fasziniert ausruft: "Ich verstehe! Maschinell!". Aus heutiger Sicht ist der Film naiv und unfreiwillig komisch. Trotzdem ist er auch ein Stück Zeitgeschichte und soll daher hier gezeigt werden.
D: Peter Fonda, Dennis Hopper, Susan Strasberg, Bruce Dern

28.Okt * 18 Uhr: Psychedelische Plakatkunst der 60er Jahre.
Vortrag mit Prof. Dr. Lutz Hieber (Universität Hannover) und Gisela Theising, die einen Teil Ihrer umfassenden Sammlung dem APEX zur Verfügung gestellt haben.

Mit freundlicher Unterstützung
der schweizer Kulturstiftung PRO HELVETIA

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Biographie / Biography :
Née en 1974 à Besançon, vis et travaille à Genève.
De 1994 à 2001,travaille en collaboration avec Jean-Michel Wicker ; les expositions communes sont marquées par un astérisque (*).

Einzelausstellungen (Auswahl) :
2008
Do you wear the Love Glasses ? Salon 94, New-york, USA.(7 sept)
Call it what you like, New Art Gallery, Walsall Museum, Walsall, UK.(18 sept)
2007
Stop believing, start knowing, Swiss Institut, New-York, USA.
Huge Reality, Galerie Francesca Pia, Zurich, Suisse.
Healing Boom, Hiromi Yoshii, Tokyo, Japan.
2006
Kunstmuseum de Thun, Suisse.
Galerie Art:Concept, Paris, France.
Art Statements, Art 37 Basel, Bâle, Suisse.
UniverevinU, Alexandre Pollazzon, Londres, UK.
2005
Biolovarama, Mamco, Musée d’art moderne et contemporain, Genève, Suisse.
Ectopie spectrale, Hard Hat, Genève, Suisse.
2004
Cosmic, Paris, France.
2003
Centre d’Art Contemporain, Genève, Suisse.
2001
Kunsthaus Glarus, Glaris*, Suisse (cat.)
Centre d'édition contemporaine, Genève*, Suisse.
Gregorio Magnani Gallery, Londres

Gruppenausstellungen (Auswahl) :
2008
I love JENISCH, Musée Jenisch, Vevey, Suisse
Shifting Identities, Kunsthaus, Zürich, Suisse
La main numérique, Ecole-Centre d’Art d’Annecy, France
Landscope, Galerie Thaddaeus Roppac, Paris, France
Abstraction Extension. Une scène romande et ses connexions, Fondation Salomon, Annecy, France
3am eternal, Alexandre Pollazzon Ltd, Londres, UK.

2007
Hello I´m crashing, Salon 94, Ny, New York
Half Square/ Half Crazy, Villa Arson, Nice
Wunder Stanza, Centre d’édition contemporaine, BAC, Genève
RAW. Among the ruins, Marres Art Centre, Maastricht, (curator : Alexis Vaillant)
Evenement #1/07 , Centre Culturel Suisse, Paris
Fuori Uso 2007 – Altered States National Museum of Contemporary Art (MNAC), Bucharest
Shangri-La, Alexandre Pollazzon , London
6 ème Triennale de l'art imprimé contemporain, Musée de Beaux-arts du Locle, Le Locle.
Black Noise. A Tribute to Steven Parrino, Mamco, Musée d’art moderne et contemporain, Genève
Der Tanz der Doppelganger, Shark, Genève
2006
Real vs Unreal, Ganga International Gallery, Bogota & Lugar a dudas, Cali, Colombia (cur Alexandre Bianchini & Balthazar Lovay)
Sublime, UZ11R3F, Genève
Cosmogonies, Centre d’art de Noisy-le-Sec (Paris)
La Force de l'Art / Grand Palais 2006,Art en France, Grand Palais, Paris
Conversation Pieces, Centre d’Art Contemporain, Genève
Aller/Retour, Centre Culturel Suisse, Paris
Busan Biennale 2006, Busan, Corée
All we ever wanted was everything, Centre d’art contemporain La synagogue de Delme, Delme
Swiss Video, Tate Modern , London.

Dienstag, 14. Juli 2009

Einführung zur Ausstellung von Stefano Ricci und Anke Feuchtenberger

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde.

Ich begrüße Sie recht herzlich zur Ausstellungseröffnung von Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci, die beide trotz der organisatorischen Schwierigkeiten zwischen mehreren Ausstellungen den Weg zu uns gefunden haben, um bei der Eröffnung dabei zu sein. Dafür möchte ich mich an erster Stelle bedanken, und natürlich dafür, dass sie unserer Einladung gefolgt sind und uns ihre wunderbaren Arbeiten zur Verfügung gestellt haben.

Lassen Sie mich zunächst kurz ein paar Worte zu den beiden Künstler sagen. Anke und Stefano leben gemeinsam in der Nähe von Greifswald und sind beide Lehrende an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Außerdem betreiben sie gemeinsam den MaMi Verlag, wo sie die Bücher anderer Zeichner verlegen. Beide gelten als bedeutende Vetreter des Avantgarde-Comic.

Wir widmen uns mit dieser Ausstellung nicht nur diesen international beachteten Zeichnern sondern auch dem Comic als künstlerischem Medium. Dies ist insofern wichtig, als dass es in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit noch immer nicht selbstverständlich ist, diese beiden Begriffe – Comic und Kunst – gleichzeitig in den Mund zu nehmen, was eigentlich erstaunlich ist, wenn man beispielsweise bedenkt, dass Lyonel Feininger mit The Kin-der-Kids einen Klassiker des Comic schuf und dass der Einfluss des Genres auf die sogenannte Bildende Kunst (Stichwort : Pop Art) unbestritten ist. Vielleicht liegt es daran, dass die Bildergeschichten so eng mit der eigenen Kindheit verwoben sind und man sich meist an das komische Element erinnert. Möglicherweise liegt es also nur an einer Begrifflichkeit.
Im angelsächsischen Sprachraum hat man dieses Problem elegant gelöst, indem man von der Graphic Novel spricht, eine Bezeichnung, die Türen zur Literatur öffnet und dabei das künstlerische Handwerk in Form der Grafik ebenso im Blick behält. Überhaupt ist die Diskussion betreffend der „Kunstwürdigkeit“ von Comics dort eher unwichtig, was wohl mit einem anderen Kunstbegriff insgesamt begründet werden kann. Wenn man einen Blick auf die Sammlungen des Museum of Modern Art in New York wirft, wo Malerei, Design, Architektur, Film, Illustration usw. gleichberechtigt nebeneinander stehen, unter dem Dach des Terminus „Modern ART“, muss man sich über kleinliche Grabenkämpfe der Disziplinen eher wundern.

Ob es sich bei den Arbeiten von Anke Feuchtenberger und Stefano Ricci um Kunst handelt, darüber soll also an dieser Stelle nicht debattiert werden. Dadurch, dass wir ihre Arbeiten im Kontext eines Kunstvereins zeigen, haben wir, so denke ich, unser Statement zu dieser Frage abgegeben. (JA, es ist Kunst!)
Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich kein großer Kenner der Comic-Szene bin. Von daher ist mein ganzer Zugang zu diesen Arbeiten eher aus einer Blickrichtung der „Kunst“; und wenn man bedenkt, welche Renaissance das Medium der Zeichnung in den letzten Jahren erfahren hat, muss man sich auch fragen, warum wir keine viel breitere Rezeption des avantgardistischen Comics erleben. Nun, möglicherweise und hoffentlich können wir unseren Teil mit dieser Ausstellung hierzu beitragen.

Anke Feuchtenbergers Bildgeschichten zeigen ganz klar auf, warum es sich nicht um Comics im herkömmlichen Sinn handelt. Die Erzählungen sind nicht klar umrissen und erinnern eher an Traumsequenzen, die symbolisch aufgeladen sind. Wir als Betrachter sind gefordert, unseren eigenen Schlüssel zu den Geschichten zu finden, die in ihren Bildabfolgen nicht dem gängigen Erzählschema der Sprechblasenheftchen folgen. Es ist aufgrund ihrer Symbolik und der assoziativen Bildsprache nahe liegend ihre Arbeiten als surrealistisch zu benennen. Demnach würden sie aber etwas darstellen, das sich über der Ebene des Realen bewegt, sie würden eine Enttextualisierung betreiben.
Genau dies ist meiner Meinung nach aber nicht der Fall. In ihren Sequenzen sucht Anke Feuchtenberger nach adäquaten Mitteln, sehr reale Umstände, Zustände, Empfindungen und Wahrnehmung zeichnerisch zu übersetzen. Dabei spielen Phantastik und Märchenhaftes eine Rolle und die Protagonisten erleben kafkaeske Momente.

In quantitativ überschaubaren Bildern findet eine Verdichtung von Zeit und Emotionen statt, eine Fähigkeit, die sich vielleicht aus dem Ursprung ihrer Arbeit, der Gestaltung von Plakaten, entwickelt hat, wo es ja unter anderem auch darum geht, soviel Informationen wie möglich in einem Motiv zu bannen. Man könnte vielleicht für diese Arbeiten den Begriff „Grafic Poem“ wählen, anstatt „Grafic Novel“...
Auf jeden Fall wird die Nähe zur Literatur unter anderem in ihren Geschichten der „Hure H.“ deutlich, die sie gemeinsam mit der Schriftstellerin Katrin de Vries entwickelt hat und von denen drei Bände erschienen sind. Die Erlebnisse der Hure H., die sich abseits von dem bewegen, was der Titel vermuten lässt, speisen sich aus Prosatexten von de Vries, die von Anke Feuchtenberger in Zeichnungen umgesetzt werden. Thematisch drehen sie sich um Genderfragen, um Machtverhältnisse und Sexualität. Zu den strukturell einfachen, aber inhaltlich facettenreichen Textbildern entstehen aus Kohle und Papier keine Illustrationen, sondern Imaginationen, welche die sprachliche Ebene um eine visuelle Dimension anreichern. Die kontrastreichen und flächigen Kohlezeichnungen transportieren eine dunkle Stimmung zu einem schwierigen Thema. Aus einem der Bände sind hier einige Originalblätter als Auszüge aus den Geschichten zu sehen.

Von ähnlicher Dunkelheit geprägt sind auf den ersten Blick auch die Arbeiten von Stefano Ricci, dessen Bilder zunächst vor allem von einer technischen Seite her unsere Aufmerksamkeit erregen.
Seine Bilder sind nicht nur visuell eindrucksvoll, sondern bei näherer Betrachtung auch haptisch interessant. Die großformatigen Arbeiten, die sie hier sehen sind beispielsweise erstaunlicherweise Siebdrucke, die direkt auf diese Platten gepresst werden. Dazu kommt die außergewöhnliche Technik des „Floccaggio“, bei dem zunächst eine Art Klebeschicht gedruckt wird, auf die dann die Farbe aufgebügelt wird und zu einer samtenen Fläche wird. Der Effekt ist hier eine Schwärze, die alles zu schlucken scheint. Übrigens finden sie die Anwendung dieser Technik auch in der kleinen bunten Serie von Anke Feuchtenberger, die sie unten sehen können.
Auch die Papierarbeiten von Ricci weisen einen Materialmix auf, der von Tusche, Kohle und Acrylfarben bis zu Tesastreifen führt und den einzelnen Blättern so Eigenschaften eines Reliefs verleiht und das Medium Comic auf eine andere Art und Weise neu auslotet. Hier geht es auch um die Möglichkeit, Techniken der Malerei für das Comiczeichnen verfügbar zu machen. In der Transformation der einzelnen Blätter zu Bildergeschichten in Form eines Buchs kann der Künstler durch das Scannen oder Abfotografieren seiner Arbeiten sogar noch weitere Elemente wie Lichteffekte für seine Zwecke nutzbar machen.

Inhaltlich ist auffallend, dass wir in Stefano Riccis Arbeiten oft Fragen von Sein und Schein begegnen. Es finden Transformationen und Mutationen statt, ein Hut verschluckt seinen Träger und wird zu einem neuen Charakter – ein Affe verschwindet unter einem Schleier, wird unsichtbar. Bei den genannten Beispielen handelt es sich übrigens um Auszüge aus Trickfilmen. Die Geschichten die hier erzählt werden verhandeln auch Fragen von Wahrnehmung und Täuschung. Die zunächst dunkle Fassade kann allerdings nicht über einen gewissen Witz und Sinn für Humor hinwegtäuschen, der sich nicht unbedingt sofort erschließt. Oder hätten Sie gedacht, dass sich in dieser Ausstellung auch Bruno der Bär aufhält?

Diese beiden vorliegenden aktuellen Positionen aus der Independent-Comic-Szene zeigen uns auf beeindruckende Weise, dass in dem Medium Comic weit mehr Möglichkeiten liegen, als eine lineare Geschichte zu erzählen und Sprechblasen zu füllen. Die Tiefe und Komplexität ihrer sequenziellen Arbeiten schließt die Diskussion um den Wert des von Ihnen gewählten Mediums von vornherein aus, was wohl auch daran liegt, dass sie sich nicht auf die traditierte Form des Comic-Strips verlassen, sondern die Wege ausloten, die sie mit den Bildgeschichten erforschen können. In Trickfilmen, mit verschiedenen Arten des Zeichnens und ungewöhnlichen Druckverfahren.

So bleibt mir noch, mein Dank an alle unsere Sponsoren auszudrücken und natürlich an Sie, dass Sie uns zu diesem Anlass besuchen. Nochmals ein Dank an Anke und Stefano.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und erkläre die Ausstellung für eröffnet.

Mittwoch, 1. Juli 2009

ERÖFFNUNG: 12.7.09 // 12 UHR



Anke Feuchtenberger, 1963 in Ost-Berlin geboren, absolvierte zunächst ein Grafikstudium in Berlin-Weißensee und arbeitet seit 1997 freiberuflich in Hamburg.
Dort unterrichtet sie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Ihr Stil ist einer kleinen Gruppe deutschsprachiger Künstler zuzuordnen, die seit den 1990er Jahren die etablierte Formensprache des Comics hinterfragt und eigene, radikale Entwürfe hinzufügt. Ihr Werk umfasst Gemälde, Zeichnungen, Comics, Plakate, Druckgrafik, Kostüme und Marionetten. Sie ist Herausgeberin zahlreicher Bücher und Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften. Im Herbst 2008 erschien im gemeinsam mit dem italienischen Künstler Stefano Ricci gegründeten Mami-Verlag ein weiteres Buch mit Zeichnungen: wehwehwehsupertraene.de. Die Künstlerin erhielt 2008 mit dem "Max und Moritz-Preis" des internationalen Comic-Salons Erlangen die höchste Auszeichnung deutschsprachiger Comic-Kunst.
Ihre Bilder vertreten einen stark narrativen Ansatz, zeigen mehrschichtige Auseinandersetzungen mit dem weiblichen Körper: Wachstum, Fortpflanzung, Geburt; surreale Abstraktionen der Fremdheit im Eigenen. Eben das ist auch der Zugang. Die Zeichnungen sind von so beklemmender Intensität, dass sie mit einem Bild vielfache Geschichten einer absurd-vertrauten Welt erzählen, die versprachlicht Bände sprechen ließen.

Stefano Ricci, 1966 in Bologna, Italien geboren, lebt und arbeitet in Hamburg.
In seinen Zeichnungen verzichtet er weitgehend auf Illustrationen, in den Comics steht das Bild selbstständig im Mittelpunkt der Arbeit. In unterschiedlich langen Bildfolgen zeigt er Menschen und Tiere in knapp angedeuteten Räumen, meist in Schwarzweiß und Schattierungen. Durch die reduzierte, gegenständliche Darstellungsweise mit surrealen Effekten entsteht eine Atmosphäre, mehr Um- und Anriss als Erzählen von Geschichten. Diese stille Unbestimmtheit soll dem Betrachter eine subjektive Lesart ermöglichen. Den Schwerpunkt seines Werkes legt Ricci auf den Entstehungsprozess als solchen. Er dokumentiert den Prozess der Annäherung an die Zeichnung während der Arbeit. In der Arbeitsphase werden Skizzen nicht etwa von einem sogenannten Resultat einer bestimmten, gesuchten Form getrennt, sondern direkt auf das endgültige Papier gezeichnet. Hier werden Entwürfe hinterfragt, übermalt, manchmal gestrichen.
Ricci arbeitet mit verschiedensten Materialien und die so entstandenen sich überlagernden Schichten suggerieren eine Sichtbarkeit verdichteter Echt-Zeit. Die Ablagerung: eine ebenso sinnliche wie intellektuelle zeichnerische Befassung.
(Text: Lina Debs, kuratorische Assistenz)

Die Künstler sind anwesend.
Wir freuen uns auf Ihr Erscheinen!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Lisa Stålspets/Emanuel Bernstone

Ausstellungsansichten



oben/above: videostill aus/from Lisa Stålspets' Leaf Dance
unten/below: ausstellungsansicht mit Emanuel Bernstones Bildern/
exhibition view with Bernstone's paintings